2,30 € pro Liter. So viel kostet Diesel gerade an deutschen Zapfsäulen – und ein erheblicher Teil davon fließt in Förderländer, auf die wir keinen Einfluss haben. Gleichzeitig produziert die Solaranlage auf dem Depotdach vieler Fuhrparks und Logistikunternehmen Strom für wenige Cent pro Kilowattstunde. An windigen oder sonnigen Tagen wird deutscher Ökostrom an der Börse fast verschenkt. Wäre es nicht naheliegend, genau diesen Strom auch unterwegs in den eigenen Elektro-LKW zu laden? Vom eigenen Dach, aus dem eigenen Vertrag, zum eigenen Preis – egal an welcher Ladesäule in Deutschland?
Genau das wird heute nicht gemacht. Wer seinen E-LKW an öffentlicher oder halböffentlicher Ladeinfrastruktur lädt, kauft automatisch den Strom des Ladesäulenbetreibers: ohne Wahl, ohne Transparenz und ohne Verhandlungsspielraum. Der günstige Solarstrom vom Dach? Bleibt auf dem Dach. Der dynamische Börsentarif? Gilt nur an der Steckdose im Depot. Unterwegs zahlen Sie, was der Betreiber verlangt. Statt Abhängigkeit von Ölstaaten handeln Sie sich eine neue Abhängigkeit ein – diesmal vom Ladesäulenbetreiber.
Preismonopol der Ladesäulenbetreiber?
Im regulären Stromnetz ist das Prinzip seit Jahrzehnten etabliert: Sie wählen Ihren Stromanbieter, und der Strom wird über das Netz zu Ihnen durchgeleitet. Netzbetrieb und Energielieferung sind sauber getrennt. Bei der Ladesäule stellt der Betreiber die Säule, liefert den Strom und bestimmt den Preis. Für Speditionen mit wachsender E-Flotte kann das zum strukturellen Kostenproblem werden.
Das Durchleitungsmodell überträgt dieses bewährte Prinzip auf die Ladesäule. Es trennt Infrastruktur und Energielieferung. Ihr Elektro-LKW lädt an einer beliebigen Säule – aber den Strom liefert Ihr eigener Anbieter. Ihr Vertrag, ihr Tarif. Und ja: Auch der Solarstrom vom eigenen Dach kann bilanziell unterwegs mitgenommen werden. Heimische Energie statt importiertem Öl – und das meist zu geringeren Kosten.
Ihre Flotte, Ihr Strom, Ihr Preis
Im Forschungsprojekt BANULA haben wir das Durchleitungsmodell vier Jahre lang mit acht Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft an realer Infrastruktur erprobt. Die Ergebnisse:
- 1. Volle Preistransparenz: Der Ladepreis wird aufgesplittet in Infrastrukturkosten und Energiekosten. Sie sehen endlich, wofür Sie zahlen.
- 2. Eigener Tarif an jeder Säule: Ob unterwegs an der Autobahn, beim Kunden oder im eigenen Depot – Ihr Stromvertrag reist mit.
- 3. Eigenerzeugung mitnehmen: Solarstrom vom Dach Ihres Depots können Sie bilanziell auch an einer Ladesäule hundert Kilometer entfernt nutzen. Genauso dynamische Börsentarife. Hier liegen die größten Einsparpotenziale.
- 4. Glaubwürdiges Emissionsreporting: 15-Minuten-scharfe Herkunftsnachweise, technisch abgesichert durch Blockchain – nachprüfbar, nicht nur ein Label.
- 5. Marktdienliches Laden: Laden entlang der Preissignale des Energiemarkts wird strukturell einfacher.
Und die Durchleitungsgebühr für diesen Service? Weniger als ein Cent pro Kilowattstunde.
45 GWh rollen bald über Deutschlands Straßen
Wer jetzt denkt, das Thema betrifft ihn erst in ein paar Jahren, sollte eine Zahl kennen: Prognosen zufolge könnte der Anteil batterieelektrischer E-LKW im Absatz schwerer Nutzfahrzeuge in Deutschland in 2030 bereits 60 Prozent betragen (siehe Leselinks). Die Logistikbranche wird damit zu einem relevanten Akteur im Energiesystem. Wer frühzeitig versteht, wie Durchleitung funktioniert, kann Kostenvorteile sichern, seine CO₂-Bilanz belastbar nachweisen und seine Ladeinfrastruktur intelligent in den Energiemarkt einbinden. Wer wartet, zahlt den Preis, der durch eine immer unsicherer werdende Weltlage diktiert wird.
Auch die Regulatorik will diesen Wettbewerb: Speditionen sollen zwischen Ladestromanbietern wählen können, Preisdifferenzierung soll möglich werden, und der eigene Ladestromversorger (EMP) – nicht der Infrastrukturbetreiber (CPO) – soll passgenaue Angebote auf Basis der Ladestoppplanung schnüren können. Logistik und Energiewirtschaft wachsen zusammen. Die Frage ist nur, ob Sie diesen Prozess gestalten oder erdulden.
Klingt komplex? Nicht für Sie.
Natürlich steckt hinter dem Durchleitungsmodell einiges an technischer und regulatorischer Komplexität: energiewirtschaftliche Bilanzierung in 15-Minuten-Intervallen, Schnittstellen zu Verteilnetzbetreibern, Übersetzung zwischen Ladeprotokollen und deutscher Energiemarktkommunikation. Das ist nicht trivial. Aber – und das ist die entscheidende Botschaft – das ist nicht Ihr Problem.
BANULA kümmert sich um die gesamte Kommunikation zwischen Ladesäulenbetreiber und Ihrem Energieversorger, übernimmt alle Aufgaben rund um den deutschen Energiemarkt, sorgt für einen reibungslosen Abrechnungsprozess und kann geladene Energiemengen technisch nachweisen. Alles basierend auf offenen Standards.
Für Sie als Logistiker bleibt das Laden so einfach wie bisher. Sie fahren an die Säule, stecken ein, laden – nur, dass ab jetzt Ihr eigener Strom fließt. Das Onboarding ist schlank: Sobald Sie eingebunden sind, sind Sie Teil des Netzwerks.
Was Sie jetzt tun können
Die Technik steht. Die Prozesse sind erprobt. Die Regulatorik zieht mit. Was jetzt noch fehlt, ist, dass die Logistikbranche das Thema aktiv für sich gestaltet – statt irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.
Mein Team Smart Energy Systems am Fraunhofer IAO begleitet Unternehmen beim Einstieg in das Durchleitungsmodell – von der Machbarkeitsanalyse bis zur Umsetzung. Auf banula.de finden Sie umfangreiche Onboarding-Dokumente: technische Spezifikationen, regulatorische Leitfäden und praktische Handreichungen, mit denen Sie direkt starten können.
Sprechen Sie uns an. Denn wer bei 2,30 € pro Liter Diesel noch Ölstaaten mitfinanziert, statt heimischen Strom in seine Flotte zu bringen, verschenkt bares Geld.
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