FORTIS: Framework für souveräne IT/OT Vulnerability Intelligence in Mittelstand und KRITIS

Ein praxisnaher Ansatz, um KI-basierte Cyberrisiken in IT und OT kontextbezogen zu bewerten und wirksam zu priorisieren

Herausforderung

KI verändert die Cybersicherheitslage grundlegend: Neue Modelle können Schwachstellen schneller finden und Angriffspfade vorbereiten. Dadurch steigt der Druck auf Unternehmen, Sicherheitslücken nicht nur zu erkennen, sondern sie auch rasch einzuordnen und wirksam zu behandeln.

 

Gerade im produzierenden Mittelstand, in OT-Umgebungen und bei KRITIS-Betreibern ist das besonders anspruchsvoll. Legacy-Systeme, knappe Ressourcen, vernetzte Energie- und Ladeinfrastrukturen sowie regulatorische Anforderungen durch NIS2 und KRITIS-Dachgesetz erschweren etwa ein klassisches Patch-Management. Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb in der Priorisierung: Welche Schwachstellen sind für die eigenen Assets, Prozesse und Abhängigkeiten wirklich kritisch? Welche Systeme können gepatcht werden, wo braucht es Kompensationsmaßnahmen? Und wie bleibt die Organisation dabei unabhängig von einzelnen Plattformen und externen Sicherheitswerkzeugen?

© Fraunhofer / KI-gestützte Visualisierung

Methodik

FORTIS bietet ein praxisnahes Framework und Toolset für kontextbewusste Vulnerability Intelligence in Zeiten KI-basierter Angriffe. Der Ansatz verbindet technische Schwachstelleninformationen mit Asset-Kritikalität, Exponiertheit, Prozessrelevanz und regulatorischen Anforderungen.

1. Lagebild für KI-basierte Cyberrisiken

Das Framework bietet ein strukturiertes Lagebild – basierend auf Experteninterviews: Es macht sichtbar, wie KI-basierte Angriffe Reconnaissance, Schwachstellennutzung und Angriffsvorbereitung verändern. Daraus wird abgeleitet, welche Risikofelder für IT, OT und kritische Prozesse besonders relevant sind:

  • Triage – systematische Einordnung wachsender Schwachstellenmeldungen nach realem Risiko
  • Priorisierung – Bewertung entlang von Asset-Kritikalität, Exponiertheit und Prozessrelevanz
  • Remediation – passende Maßnahmen auch für nicht patchbare OT- und Legacy-Systeme

So entsteht eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage, die technische Findings in betriebliche Handlungsoptionen übersetzt.

2. Kontextmodell für Schwachstellenbewertung

Kern des Frameworks ist ein Kontextmodell, das Schwachstellen nicht isoliert nach technischer Schwere bewertet. Es verknüpft Schwachstelleninformationen mit betrieblichen, organisatorischen und regulatorischen Einflussgrößen. Dazu gehören insbesondere:

  • Kritikalität und Funktion der betroffenen Assets
  • Exponiertheit, Zugriffsvoraussetzungen und Abhängigkeiten
  • Auswirkungen auf Produktions-, Versorgungs- und Geschäftsprozesse
  • Nachweis-, Melde- und Dokumentationspflichten aus Regulierung und Compliance

3. Priorisierungslogik für wirksame Entscheidungen

FORTIS stellt eine nachvollziehbare Priorisierungslogik bereit. Sie unterstützt dabei, aus vielen Findings die wirklich relevanten Handlungsbedarfe abzuleiten. Damit werden Security-Teams entlastet und Entscheidungen für Management, Betrieb und Compliance transparenter.

4. Maßnahmenkatalog für IT-/OT-Resilienz

Zum Lösungskonzept gehört ein Maßnahmenkatalog für unterschiedliche System- und Risikolagen. Er umfasst technische, organisatorische und prozessuale Kompensationsmaßnahmen und ist besonders dort relevant, wo Systeme nicht kurzfristig gepatcht oder ersetzt werden können.

5. Anwendungsbausteine

Das Framework wird durch anwendungsnahe Bausteine ergänzt, die den Ansatz für konkrete Nutzungsszenarien greifbar machen. Beispiele sind OT-Brownfield-Umgebungen, KRITIS-Betreiber sowie Energie- und Ladeinfrastrukturen.

6. Transfermodule für Beratung, Schulung und Umsetzung

FORTIS ist als transferfähiges Konzept angelegt. Die Ergebnisse lassen sich in Schulungen und Pilotprojekte überführen und perspektivisch um Module für SBOM-Integration, Supplier-Risikobewertung, KRITIS-Sektoren oder spezifische Industrieumgebungen erweitern.

Ergebnis

  • Mit FORTIS erhalten Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen eine belastbare Grundlage, um Schwachstellen souverän, nachvollziehbar und kontextbezogen zu priorisieren:
  • Schwachstellen werden nach tatsächlicher Relevanz für Assets, Prozesse und Betrieb eingeordnet
  • Security-Teams können Findings schneller triagieren und Maßnahmen gezielter priorisieren
  • Nicht patchbare OT- und Legacy-Systeme werden durch abgestufte Kompensationsmaßnahmen berücksichtigt
  • Regulatorische Nachweis- und Meldepflichten werden systematisch unterstützt
  • Organisationen stärken ihre technologische Souveränität und reduzieren Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen 
© Fraunhofer / KI-gestützte Visualisierung